In Familienkonferenzen kann – idealerweise unterstützt durch externe Moderatoren, die das Vertrauen sämtlicher Familienmitglieder haben – in Form von Arbeitstreffen/Workshops gemeinsam eine Sollkonzeption erarbeitet werden. Bewährt haben sich vorgängig geführte, intensive Einzelgespräche mit jedem Familienmitglied. Damit wird einerseits Vertrauen in den Moderator aufgebaut, anderseits das Lösungsspektrum ermittelt.

Zur Familie Haniel gehören inzwischen über 500 Nachkommen des Firmengründers. Eine solche Sippengrösse bedingt klare Spielregeln. So wurde unter anderem vereinbart, dass kein Familienmitglied in einer Unternehmung des Konzerns aktiv werden darf, um bei fehlender Eignung das jeweilige Management nicht vor unlösbare Probleme zu stellen. Damit der „family spirit“ lebt, treffen sich alle Familienmitglieder mindestens einmal jährlich zu einer Grossveranstaltung in der konzerneigenen Akademie.

Ganz anders sieht diese Frage die Brenninkmeyer-Dynastie, wo verschiedene Familienmitglieder aktiv in unterschiedlichsten Bereichen der breit aufgestellten C & A mitwirken.

Beide Familien sind daran interessiert, dass nicht nur die Firma, sondern auch die Familie gesichert ist und fortbesteht. Hierzu ist zunächst innerhalb der Familie gemeinsam ein Verständigungs- und Zielbildungsprozess zu initiieren. Sind die Ziele der Beteiligten bekannt, muss sich die Familie bezüglich der wichtigsten Weichenstellungen „zusammenraufen“.

Das Familienkonzept hat zur Aufgabe, die Interessen des Eigentümers mit denen der eigenen Familie in Einklang zu bringen. Denn die Familienmitglieder verfolgen oft eigene Ziele und haben als Miteigner ein legitimes Interesse daran, dass der bevorstehende Generationenwechsel in der Firma sich nicht nachteilig auf die persönlichen Beziehungen und die Vermögensverhältnisse innerhalb der Familie auswirkt.

Das Resultat eines solchen Verhandlungs- und Einigungsprozesses ist nicht selten ein Familienleitbild. Es zeigt die prioritären Anliegen und definiert einen Verhaltens-Kodex.

Inhaltlich kann auf folgende Fragen Bezug genommen werden.

In der Familie zu harmonisierende Zielkategorien:

Persönliche Fragen der einzelnen Familienmitglieder
Vermögens- und Nachfolgefragen der einzelnen Familienmitglieder
  • Gestaltung der eigenen Lebensinhalte
  • Persönliche Herausforderungen
  • Eigene Rolle im Familienverbund
  • Sicherung der finanziellen Unabhängigkeit
  • Zukunft der eigenen Kinder
  • Entscheidungsspielraum
  • Freiraum für die eigene Weiterbildung
  • Regelung der individuellen Dividendenausschüttung
  • Eigener Anteil am Familienvermögen
  • Eigener Anteil am Vermögen der Familie
  • Persönliche Auswirkungen von Erb-, und Schenkungsregelungen
  • Eigenes Engagement bei allfälligen Finanz- und Investmentproblemen der Firma
  • Eigene Chancen im Nachfolgeprozess
  • Persönliche Vermögenssicherung
  • Individuelle Steuer-, Rechts- und Versicherungsfragen
Familiäre Fragen
Geschäftliche Fragen
  • Absicherung der Familie bei Schwierigkeiten in der Firma
  • Eheverträge/Unternehmerehe
  • Eheprobleme/ Scheidungsfragen
  • Harmonisierung des
    Familienlebens
  • Regelung der Aussprache innerhalb der Familie (Familienkonferenzen)
  • Regelung der Rechtsverhältnisse zwischen den Besitzerfamilien
  • Prozedur zur Streitschlichtung
  • Testamentarisches
  • Zukünftige Strategien
  • Ausgestaltung der Dividenden-, Gewinn- und Verlustpolitik
  • Vorgehen beim Ausbau, bei Rationalisierungen und Reorganisationen
  • Prioritäten zur Arbeitsplatzerhaltung
  • Bereitschaft zu Innovationen
  • Umgang mit Herausforderungen im Führungsverhalten
  • Probleme mit Missmanagement
  • Art der Unternehmensbewertung
  • Regelung beim allfälligen Verkauf der Unternehmung

Die Zusammenstellung zeigt die Fülle möglicher Fragen und potentieller Herausforderungen, die im Interesse einer harmonischen Familienzukunft zu regeln sind. Viele davon sind miteinander verknüpft und beinhalten Potenzial für Interessenkonflikte.

Es empfiehlt sich, dass der Unternehmer nach diesem Schema zunächst für sich selbst eine Auslegeordnung erstellt und diese dann mit seiner Familie bespricht.

Anschliessend sind aus dem analysierten Meinungsspektrum Leitgedanken für das familiäre Denken und Handeln abzuleiten. Das Resultat dieses Zielbildungs- und Einigungsprozesses ist oft ein so genanntes Familienbild, das folgende Punkte umfassen kann:

Elemente eines Familienleitbildes:

Rollen und Verantwortlichkeiten
Identitäten und Werte
  • Definition der Mitgliedschaft: Wer gehört zur Familie?
  • Aufgaben und Kompetenzen: Wer soll und wer darf was?
  • Besitzstände und Ansprüche: Wer hat und wer bekommt was?
  • Selbstwertdefinition: Worauf ist die Familie stolz?
  • Wertebündel: Was kennzeichnet die Identität der Familie und welchen Stellenwert hat dies?
  • Vertrauen: Wie sieht das Vertrauensverhältnis unter den Mitgliedern aus und wie kann es erhalten werden?
Ziele und Pläne mit der Firma
Umgangsformen und Spielregeln
  • Stellenwert des Unternehmens: Wie stolz ist die Familie auf die Firma?
  • Identifikation und Interesse: Was wissen die Beteiligten über die Firma?
  • Operatives Engagement: Wie wollen sich die Mitglieder in die Firma einbringen? Wer ist bereit zu persönlicher Haftung?
  • Auswahlkriterien: Bedingungen der Mitarbeit? (Verwandtschaftsgrad, Kompetenz)
  • Selbstbestimmungsgrad: Wie viel Einfluss sollen Dritte auf die Firma haben dürfen?
  • Kommunikation und Kooperation: Welche Spielregeln gelten und wie können das Miteinander und der Zusammenhalt gefördert werden?
  • Konfliktmanagement: Wie geht man mit Streitigkeiten um und wer ist für Konfliktregelung zuständig?
  • Commitment: Schriftlich fixierte Selbstverpflichtungen im Rahmen einer Familiencharta?

Quelle: in Anlehnung an Hofmann, N. (2004): Zwischen Tradition und Innovation; in: Wirtschaft. Zeitung der IHK für München und Oberbayern; Nr. 7+8/2004, S. 9-13

Mehr Details erfahren Sie im persönlichen Gespräch mit Dr. Leonhard Fopp

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